
Gedanken zum Sonntag Septuagesimä
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Predigt für Septuagesimae
über Lukas 17, 7-10,
gehalten am 23.1. 2005
in Augsburg, St. Jakob
Vom Knechtslohn
„ Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; danach sollst du auch essen und trinken? Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war? So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren. “
A.
Als ich Studentenpfarrer war, vor mehr als 20 Jahren, bat ich einen Universitätsprofessor, einen bekannten Literaturwissenschaftler, in einem Gottesdienst der Studentengemeinde ein Kirchenlied auszulegen. Es war „Morgenglanz der Ewigkeit“. Er gab sich damit viel Mühe und hielt eine ansprechende Liedpredigt. Nachher bedankte ich mich. Mir war aber bewusst, dass Professoren normalerweise für Vorträge Honorare kassieren. Das war im Haushalt der Studentengemeinde nicht vorgesehen. Ich deutet etwas in dieser Richtung an. Da antwortete der Professor scherzend mit diesem Satz, den Jesus empfohlen hatte: So „sollt ihr sagen“.- Er meinte es natürlich nicht so. Denn, erstens, zählte solcher Predigtdienst nicht zu seinen Verpflichtungen und, zweitens, konnte von „unnütz“ keine Rede sein. Er wollte damit sagen: ´Ist schon gut. Ich schenke Ihnen das`. Gewöhnlich sagt man: ´Nichts zu danken` oder: ´Es war mir ein Vergnügen`.
Das sind Redewendungen, von denen jeder weiß, dass sie nicht ganz buchstäblich zu nehmen sind.
B.
Aber das kann man bei dieser Empfehlung aus dem Mund Jesu nicht voraussetzen. Nichts deutet darauf hin, dass dieser Satz als Floskel gemeint sein könnte, hinter der sich durchaus der Wunsch oder sogar ein Anspruch auf Anerkennung verbirgt. An ein Augenzwinkern ist hier nicht zu denken.
Was Jesus sagt, meint er in der Regel auch so.
Jesus sprach an dieser Stelle zu seinen Jüngern ( 17,1.5 ). Das waren Personen, die von seiner Botschaft angesprochen waren. Sie wollten dabei bleiben und bei dem Vorhaben Jesu mitmachen. Sie verstanden sich als Mitarbeiter im Reich Gottes, als Gehilfen Jesu, „Knechte Gottes“.
Und als solche sollten sie sagen, wenn sie alles ausführten, was ihnen aufgetragen ist: „Wir sind unnütze Knechte. Wir haben nur unsere Pflicht getan.“
I.
Warum „unnütz“? Wer seine Pflicht erfüllt und alles ausführt, was ihm aufgetragen ist, gilt doch nicht als unnütz. „Unnütz“-, das klingt wie eine miserable Beurteilung. Wieso soll man sich selbst so einstufen? Scheint es sich hier nicht doch um eine Art ´fishing for compliments` zu handeln, eine nicht ernst gemeinte Unterbewertung der eigenen Leistung, um als Reaktion darauf eine Würdigung hervorzurufen: ´ganz im Gegenteil! Sie haben uns einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Höchste Anerkennung! Wir sind Ihnen sehr zu Dank verpflichtet`.
Aber man muss immer bedenken: Es geht in diesem letzten Satz nicht um ein Arbeitsverhältnis zwischen Menschen, sondern um das ´Mittun` im Reich Gottes. „Knechte Gottes“ reden hier, Und dieser Satz ist als Gebet aufzufassen.
Ich habe im Lexikon nachgeschlagen, welche Bedeutungen für das Wort, das Luther mit „unnütz“ übersetzt hat, angegeben werden. Es ist wirklich ein sehr negativer Begriff. Schon Homer hat mit diesem Wort „faule Sklaven“ bezeichnet. ´Nichtsnutzig` nennt man Leute, die ´herumhängen`, sich für nichts einsetzen, Herausforderungen aus dem Weg gehen, sich so gut es geht, um jede Arbeit drücken und, wie man sagt, Leistung verweigern.- So ist das wirklich ein schlechtes Zeugnis, das man mit diesem Wort ausstellt.
Überraschend und befremdlich ist nur, dass es mit der Feststellung Hand in Hand geht: „Wir haben alles getan, was wir zu tun schuldig waren.“ Die Aufgaben sind erfüllt. Wir sind nichts schuldig geblieben.- Das wäre doch normalerweise so zu verstehen, dass damit gesagt ist: Faulheit kann man uns nicht vorwerfen.
Die Frage ist, wie im Blick auf das Reich Gottes der volle Einsatz einerseits, bei dem man nichts schuldig bleibt, und andererseits die Einschätzung, dass das, was man leistet, völlig unzureichend ist, zusammenpassen.
II.
Im ersten Teil des Textes nimmt Jesus auf die Tatsache Bezug, dass mit jeder gesellschaftlichen Stellung und mit jedem Beruf bestimmte Pflichten verbunden sind. Uns ist das Beispiel, das Jesus erzählt, unsympathisch. Denn erstens sehen wir in der Sklaverei eine unmenschliche, viel zu spät, aber jetzt doch endlich abgeschaffte Institution. Und zweitens haben wir gelernt, uns für Dienstleistungen durchaus zu bedanken. Das ´gehört sich` auch neben angemessener Belohnung. Und die Ideale der „Gleichheit“ und „Brüderlichkeit“ haben langfristig nicht nur dazu geführt, dass die Wörter „Knecht“, „Magd“, „Dienstmädchen“ und sogar „Putzfrau“ aus unserem Sprachschatz gestrichen werden, sondern auch dazu, dass wir eher selber den Leuten, die uns eine Arbeit abnehmen und einen Dienst tun, eine Brotzeit servieren, als von ihnen zu erwarten, dass sie uns auch da noch bedienen.
Zur Zeit Jesu war das anders. Jesus konnte sicher sein, dass alle Zuhörer beifällig nickten: ´Selbstverständlich, so ist es . Jeder von uns macht es so`. Niemand ´fand etwas dabei`. „Wer einen Knecht hat“, der für die Landwirtschaft oder den Viehbestand zuständig ist, lässt diesen auch im Haushalt und in der Küche dienen. Es ist klar, was seine Pflichten sind. So ist es vereinbart. Auch der Knecht selbst kommt dabei nicht zu kurz.
Wenn der Knecht vom Feld kommt, beeilt sich nicht etwa der Hausherr, ihm eine Brotzeit vorzusetzen, sondern erwartet, dass der Knecht zuerst ihm das Abendessen auftischt; dann kann auch er selber seine Mahlzeit einnehmen.- Jesus fragt nur: ´Es ist doch so?`- Und bedanken wird man sich bei einem Angestellten nicht; denn es ist seine Pflicht, die angeordneten Dienste zu tun.
III.
Aber nun denke ich z.B. an meinen Dienst. Es ist ja nicht so, dass man faul ist. Ich habe mehr Predigtdienst als viele Kollegen. Und ich hatte etliche Nebenaufgaben zu versehen. Der Arbeitstag war lang; die ´freien Tage` sind selten. Die Arbeitsleistung ´kann sich vielleicht sehen lassen`.
Aber wenn ich bedenke, womit ich es in meinem Dienst zu tun habe: mit dem Reich Gottes-, und was das Wunderbares, Befreiendes, Tröstliches, Erlösendes sein könnte, wird mir die ganze Untauglichkeit meiner Arbeit bewusst.
Man denke: „Reich Gottes“!- und ich-: „Botschafter an Christi Statt“, Beauftragter Gottes, ´Geistlicher`, Prediger des Wortes Gottes-!- Sind das nicht berauschende Begriffe? Das könnte etwas überaus Hilfreiches und Heilbringendes sein.
Aber dann sehe ich mich an Krankenbetten stehen, selber bestürzt von dem Leiden, das jemand befallen hat. Ich muss es mitansehen, kann auch nicht helfen. Gerade noch, dass ich einen Choral ´herausbringe` mit tröstlichen Worten. Aber ob das jetzt ´passt?- ob es ´ankommt´, ob etwas überspringt von der Glaubenszuversicht, die darin ausgedrückt ist?
Und ich werde Zeuge von Konflikten, die sich immer wieder aufschaukeln. Ich höre es mir an. Ich sage dazu dies und das. Ich versuche, einen Rat zu geben. Aber ich spüre oft, wie hilflos ich bin.- Wie kraftlos, wie kümmerlich ist das, was ich sage!- Vielleicht müsste ich dableiben Tag und Nacht, mitleben, die ständig zugesagte und immer übersehene, vergessene Anwesenheit Christi bezeugen. Aber das ist nicht durchführbar.
Dann sehe ich Menschen ´herum hängen`, erwartungslos, ziellos, hoffnungslos. Und mir fällt nichts ein, was ich ihnen konkret vorschlagen, wozu ich sie einladen und ´mitnehmen` kann.
Ich rede gegen Glaubenszweifel an. Aber es gelingt mir nicht, sie zu zerstreuen.- Manchmal verlaufen Gespräche unglücklich. Nachher sage ich mir, ich hätte anders reagieren müssen.- Gelegentlich finde ich nicht die richtigen Worte. Und manchmal ´versteht man sich mit jemand nicht.`
Man kann natürlich beruhigen: ´Das ist normal. Und mehr, als er leisten kann, wird von niemand verlangt`. Man tut, was man kann.
Aber wir haben die Epiphaniaszeit über gesungen: „Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden!“-, „der starke Erlöser“,- „die Ursach zum Leben“. Warum kommt das in meinem Dienst nicht glanzvoller, beglückender, mitreißender zum Ausdruck? Warum klingt „Vergebung der Sünden“ so ´abgestanden`?
Martin Luther sagte in einer Vorlesung in Wittenberg gegen Ende seines Lebens: „Die Apostel und Märtyrer“ waren wie betrunken vom Heiligen Geist. ´Sie konnten es nicht zurückhalten, sie mussten herausplatzen` „und Gott Dank sagen, ihn bekennen und preisen“, das Evangelium bezeugen (Walch, Bd.II, Sp.1980, 181 ). Sie kannten keine Scheu und Bedenklichkeit.
Sie dachten: „Himmel und Erde ist unser; denn Christus ist ein König Himmels und der Erde.“ So griffen sie „das ganze Römische Reich“ an „und haben die Abgötterei der Römer, der Griechen und Ägypter gestraft“, und taten so, „als wären sie Herren der ganzen Welt“ (Sp. 1982, 185 f).
Diese Zuversicht bräuchten wir heute auch, sagte Luther (189).
„Ach, wollte Gott, dass wir die göttlichen Verheißungen recht verstünden und in unsere Herzen prägten, nämlich, dass uns unsere Sünden vergeben sind, dass der Tod und Teufel überwunden, und die Hölle verlöscht und vertilgt ist!“ (190).
Wir glauben es ja. Luther gestand: „heutiges Tages“ „lachen“ wir über den päpstlichen Bann,- diesen Bannstrahl, der nun seit gut 25 Jahren gegen ihn gerichtet war. „Ich bin gewiss, dass mir nichts schaden kann, sondern alles muss mir zum Guten und zur Seligkeit dienen“ (207).
Aber er musste hinzufügen:“Dass wir aber gleich wohl noch so zittern, so erschrocken und furchtsam sind“, daran ist die „Schwachheit“ schuld, „die in uns noch übrig ist. Sie kommt nicht vom Glauben her, sondern ist ein Überbleibsel des alten Adam“ (268).
C.
„Wir sind unnütze Knechte“, weil man sich vorstellen könnte, dass wir, von Christus und seiner Botschaft erfüllt, noch begeisterter, unermüdlicher, vorbehaltloser und kraftvoller die Dienste tun und Zeugnis geben könnten, als es uns gelingt. Trotzdem kündigt uns der Herr nicht.
Sein Geist will uns die Kleingläubigkeit und Schwerfälligkeit abgewöhnen, die dem Inhalt unseres Glaubens widerspricht. Daher besteht Hoffnung für uns. Es kann besser werden. Manchmal erlebt man es ja, dass die Freude der Frohen Botschaft tatsächlich überspringt, und dass etwas Bedrückendes sich wunderbar auflöst. Wenn wir unsere Pflicht getan haben, und trotzdem spüren, wie unzureichend und kraftlos unser Dienst ist, und dass wir dazu in vieler Hinsicht ungeeignet sind, dürfen wir dem Herrn danken, dass er gleichwohl weiterhin mit uns arbeiten will und sich zutraut, uns noch tauglich zu machen.
Luther sagte: „Inzwischen halten wir uns aufrecht mit Vergebung der Sünden“ (216).
Amen!
Pfarrer Dr. Wolfhart Schlichting
MATTHÄUS 20,1-16; PREDIGT:
Von den Arbeitern im Weinberg
„ Das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere müßig auf dem Markt stehen und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand eingestellt. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg. Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die elfte Stunde eingestellt waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen. Als aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und auch sie empfingen ein jeder seinen Silbergroschen. Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem letzten dasselbe geben wie dir. Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du scheel drein, weil ich so gütig bin? So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. “
Dieses Gleichnis wäre total falsch verstanden, wenn wir es für die Lohnpolitik unserer Arbeitswelt hernehmen würden. Dafür gilt es nicht. Sondern es geht um den Dienst im Weinberg Gottes. Es geht um die Menschen, die zum Evangelium Jesu, zur frohen Botschaft Jesu finden. Luther prägte dafür den Begriff der `Zwei- Reichen- Lehre´, die ja auch für die ganze Bergpredigt Jesu, für die Lehre Jesu gilt.
Dabei macht uns Gott auf das Wichtigste in unserem Leben aufmerksam. Auf die Gesetzmäßigkeit des Reiches Gottes mit seiner ganz anderen Struktur seiner Gerechtigkeit, die immer mit Barmherzigkeit gleichzusetzen ist. Lernen wir von der Barmherzigkeit Gottes. Unser Leben bekommt dadurch ganz andere Beurteilungskriterien. Dann sehen wir mit den Augen Gottes alles ganz anders an, wodurch vor allem das Heil Gottes zum Tragen kommt.
Es gibt viele Himmelreichsgleichnisse. Diese verdeutlichen, dass es neben unserer sichtbaren und greifbaren Welt auch die unsichtbare Welt gibt. Und die Bibel bezeugt, dass in dieser unsichtbaren Welt zwei Mächte um uns ringen. Luther sagt dazu ganz krass, dass wir entweder vom Teufel oder von Gott geleitet, geritten werden. Für die Herrschaft Gottes müssen wir uns ganz eindeutig entscheiden, dafür bereit sein. Gott lädt dazu in diesem Gleichnis ein. Dazu geht der Hausherr auf den Arbeitsmarkt, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. Da ist er immer wieder auf dem Weg zu uns.
Wenn wir dazu bereit sind, ein „Ja“ haben, dann hat jeder Christ in seinem persönlichen Bereich auch eine Berufung, einen Auftrag im Reich Gottes, in der Gemeinde. Davon ist keiner entbunden, egal ob er als junger oder älterer Mensch darauf gestoßen ist. Dann darf jeder seine Gabe entdecken, die ihm Gott gegeben hat.
Ein Christ weiß um zwei Aufgabenbereiche, die sich gegenseitig total befruchten. Es ist seine persönliche Arbeitswelt und seine Mitarbeit in der Gemeinde. Ein Beispiel dafür: Ein Richter musste seinen besten Freund, der ein armer Schlucker war, zu einer hohen Geldstrafe verurteilen, worüber sein Freund sehr enttäuscht war. Danach aber schenkte er ihm privat das dazu nötige Geld. Damit ist am besten die `Zwei- Reichen- Lehre´ erklärt. Es darf sich z.B. die Kirche nicht der Welt angleichen. Und doch ist sie das Salz der Erde und das Licht der Welt. Um diesen Gottes Bereich unseres Lebens geht es in diesem Gleichnis.: 1) Gott ruft in die Arbeit seines Weinberges. 2) Jeder bekommt seine Chance und ist bei Gott willkommen. 3) Gott zahlt allen den gleichen Lohn. Er entlohnt nicht leistungsorientiert, sondern bedarfsorientiert.
1) Gott ruft in die Arbeit seines Weinberges. Gott will uns dabei haben. Die einzige Vorausbedingung ist, dass wir es annehmen. Wir dürfen so kommen, wie wir sind. Da müssen wir nichts vorzeigen, keine Zeugnisse, keine Schmiergelder, keine Vorleistungen irgend welcher Art.
Gott hat immer offene Augen für uns. Wie beim Gleichnis vom `Verlorenen Sohn´ erkennt er sofort, wo offene und bereite Menschenkinder sind. Da ist er dann nicht mehr zu bremsen und aufzuhalten. Da eilt er ihnen entgegen, lädt sie ein und nimmt sie mit Freuden auf. Die ganze Kirchengeschichte zeugt davon, dass Gott bei jeder neuen Generation ruft, einlädt, sich die Seinen holt und bereitet. In Glaubensangelegenheiten können wir Menschen nichts vererben. Das kann und tut nur Gott. Und das Erbe Jesu ist sehr groß. Das kann jeder haben, der dazu bereit ist.
Man kann es einmal so bezeichnen, dass jeder Christ seine persönliche Weltgeschichte hat und seine persönliche Heilsgeschichte. In diese Weltgeschichte wird jeder Mensch hineingeboren, ohne dass er selbst gefragt wurde. Und jeder hat dann seinen eigenen Lebenskampf, den es zu bestehen gilt und bei dem am Ende unser Tod steht. Es wäre sehr schade, wenn diese persönliche Weltgeschichte das „Ein und Alles“ ist. Jeder stößt einmal auf eine Pforte, die ihm Gott zeigt, die zu seiner persönlichen Heilsgeschichte führt, wenn er sie nur durchgeht. Das ist der Zeitpunkt, - in der Dogmatik bezeichnet man sie mit der Erwählung Gottes - , bei dem Gott sein Auge auf uns wirft. Denn Gott ist es nicht egal, was mit uns los ist und geschieht. Er möchte unser persönliches Schicksal positiv beeinflussen. Und mittels einer Neugeburt dürfen wir seine Hilfe erfahren; werden wir ganz von ihm aufgenommen; überträgt er uns seine Aufgaben; und da dürfen wir uns innerhalb der Gemeinde bewähren.
Letztlich möchte Gott durch uns hindurch wirken, sein Reich weiter aufbauen und zur Vollendung führen. Und dabei ist Gottes Sache im Vormarsch und im Siegen. – Gott ruft in die Arbeit seines Weinberges.
2) Jeder bekommt seine Chance und ist bei Gott willkommen. Bei Punkt 1) stand die Einladung Gottes im Mittelpunkt. Hier steht nun unsere Bereitschaft und Mitarbeit im Mittelpunkt. Matthäus 22,14: Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt. Es ist eine große Tragik, dass sehr wenige Menschen die Einladung Gottes annehmen. Aber das soll uns nun weniger beschäftigen. Sondern es geht um unsere Arbeit im Weinberg Gottes. Alle, die sich hier haben rufen lassen, tun diese Arbeit in selbstverständlicher Art und Weise. Es wird gar nichts erwähnt, dass hierbei irgend welche Nöte und Schwierigkeiten auftreten, die es natürlich auch gegeben hat. Das zeugt davon, dass jeder Christ mit der Berufung Gottes auch seinen ganz persönlichen Auftrag zugeteilt bekommt. Diesen darf er ganz ausüben. Diesen kann ihm auch keiner streitig machen. Das alles ist von Gott sehr wohlweislich gelenkt, geordnet und gesegnet. Das Feld, das uns Gott anvertraut, das müssen wir nie mehr verlassen. Da wachsen und reifen wir zu einem Original im Reiche Gottes. Gott gibt uns alles, was dazu nötig ist. Da dürfen wir im Zentrum Jesu leben, in dem das Gute gilt und das Böse keinen Zugang hat. Da freut sich Gott über unser Dasein. So entwickelt sich eine gegenseitige Liebesbeziehung.
Weil Gottes Gaben und Berufung ihn nicht gereuen können (Römer 11,29), muss es auf diesem Gebiet keine Probleme geben. Denn von Gott her ist da alles wohlweislich geordnet. Natürlich gibt es Anfechtungen und Versuchungen. Aber bei rechter Lebensweise stabilisiert sich darunter unser Glaube. So halten uns diese letztlich nicht auf, sondern fördern unsere Aufgaben. So bekommt jeder seine Chance und ist bei Gott willkommen.
3) Gott zahlt allen den gleichen Lohn. Er entlohnt nicht leistungsorientiert, sondern bedarfsorientiert. Es wird hier doch noch ein kritischer Punkt angesprochen: Das Murren über den gleichen Lohn. Hier schwappt sehr oft unser menschliches Gerechtigkeitsdenken in unser geistliches Leben herein. Petrus fragte einmal Jesus, als ihm Jesus nochmals den wesentlichen Auftrag gibt, dass er der Fels der Gemeinde ist: Was soll dann der Johannes, den er in diesem Falle als einen Konkurrenten ansah? Und Jesus sagte ihm so in dem Sinne: Das geht dich nun nichts an. Sehe du zu, dass du deinen Auftrag ausübst. Oder der Bruder beim Gleichnis des Verlorenen Sohnes ärgerte sich, dass sein Vater den Bruder wieder total aufnimmt. Auf derselben Linie liegt die Aussage Jesu über die Schriftgelehrten und Pharisäer. Diese waren die Arbeiter, die die volle Last der Tagesarbeit getragen haben. Und das ist sehr anerkennens- und lobenswert. Aber ihr Fehler lag darin, dass sie sich damit besser dünken als alle anderen, die auch mit auf dem Weg sind. Und nach dem Zeugnis Jesu haben sie sich damit alles verdorben. Die Ersten werden die Letzten sein, wenn sie sich in ihrem Ärger festfressen.
Natürlich gibt es auch im Reiche Gottes Unterschiede. Wem viel gegeben ist, von dem wird auch viel verlangt (Lukas 12,48). Und die Starken sollen die Schwachen aufnehmen und tragen. Im Gleichnis von den Anvertrauten Zentnern bekommt der eine fünf, der andere zwei und einen Zentner anvertraut. Gott teilt uns die verschiedensten Gaben und Aufträge zu, damit der Leib Christi funktionieren kann. Unsere Aufgabe besteht nun nicht darin, uns gegenseitig zu vergleichen, sondern unsere Aufgabe treu und gewissenhaft auszuführen. Damit ist jeder voll beschäftigt und ausgelastet. Und darüber sollen wir uns über unseren Nächsten freuen, auch dann, wenn er mehr als ich kann und fertig bringt. Das ist eine der wesentlichen Aufgaben in unserem Christsein. Die Gründerin unserer Bruderschaft gebrauchte dafür das Bild: Es ist egal, ob wir das Gefäß eines Fingerhutes oder einer Badewanne sind. Es kommt auf den Inhalt an. Und der ist immer derselbe. Es ist Jesus Christus und unser „Datei-Sein-Dürfen“ beim Aufbau des Reiches Gottes. Löhe sagte es so: .... Mein Lohn ist, dass ich dienen darf. .... Gott zahlt allen den gleichen Lohn. Er entlohnt nicht leistungsorientiert, sondern bedarfsorientiert.
Neben unseren menschlichen Aufgaben und Erledigungen kennen wir Christen auch den Dienst in der Gemeinde Jesu Christi. Da gilt die Gerechtigkeit Gottes, die immer eine große Barmherzigkeit darstellt. Wenn wir uns der uns gegebenen Aufgabe ganz widmen, dann müssen wir nicht mehr murren, sondern können uns des ewigen Lebens erfreuen, das uns Gott als Lohn schon zu unseren Lebzeiten stückweit zuteilt.
Bruder Georg
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